Es gibt Geräusche, die gibt es gar nicht mehr. Einst bestimmten das Rückspulgeräusch des Walkmans oder das Einwählen ins Internet unseren akustischen Alltag und nahmen einen Großteil unserer Aufmerksamkeit in Anspruch. Doch unbemerkt haben sich viele altbekannte Geräusche aus unserem Leben geschlichen.

Auch die Spulgeräusche von Kassettenrecordern und Ghettoblastern sind vom aussterben bedroht… (Matt Clark/flickr.com/CC BY-NC-ND 2.0)

Persönliche Geräte, die wir alleine durch ihre eigentümlichen Geräusche identifizieren können, das war einmal. Inzwischen stehen elektronische Gerätschaften, die wahrnehmbare Laute von sich geben, entweder auf der dringenden Abschaffungsliste, oder sie lösen sämtliche Alarmglocken bei uns aus.

Denn ein lautes Gerät ist gleichbedeutend mit einem kaputten Gerät. Dennoch gibt es Menschen, die mit den bekannten Geräuschen der Vergangenheit nostalgische Erinnerungen verbinden. Das Rauschen und Surren beim Bespielen des ersten eigenen Mixtapes, das mysteriöse Fiepen und Rascheln bei der allerersten, aufregenden Einwahl ins Internet. Weil diese Töne ebenso bedroht und schutzbedürftig sind wie Panda-Bären und Wale, gibt es nun ein Museum für aussterbende Geräusche.

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Der letzte Schrei

 

Jede Technik tötet – vorwiegend ihre Vorgänger. Eben noch der letzte Schrei, jetzt schon auf der Restrampe. Und mit der alten Technik verschwinden auch ihre Lebenszeichen.

 

Telefonieren war seinerzeit eine zenmäßige Geduldsübung. Die Einwahl ins Internet dauerte ewig und klang wie eine Komposition von Karl-Heinz Stockhausen:

 

Manchmal etwas aufdringlich aber ausgesprochen einprägsam takteten die Erkennungsmelodien unserer Endgeräte den Tagesablauf. Das Rasseln mechanischer Wecker riss uns aus dem Schlaf. Der Ton zum Testbild schickte uns ins Bett. 

  

Der Sendeschluss ist längst Geschichte. Damit die Opfer des gnadenlosen Generationskonflikts der Technik nicht sang- und klanglos verschwinden, werden sie archiviert. Auf  savethesounds.info. 30 akustische Zeitzeugen wurden im Museum der bedrohten oder bereits ausgestorbenen Töne schon zusammengetragen. 

 

Ein akustischer Durchmarsch durch die Evolution der Technikgeschichte. 

 

So wird nicht nur der Nostalgiesensor der Ü-30 stimuliert. Die Generation-IPod erhält Gelegenheit zu akustischer Ahnenforschung.  Das überdrehte Wimmern des Kassettenrekords, das asthmatische Mahlen des Diskettenlaufwerks markierte: Hier wird mechanische Schwerstarbeit geleistet. 

 

Unsere elektronischen Heinzelmännchen von heute erledigen ihre Aufgaben schnell und vor allem lautlos. Tablets und Touchpads erzeugen keine Tonspuren. Weil wir Stille offenbar schlecht ertragen, werden Telefonklingeln oder Objektivgeräusche auf unseren Smartphones digital simuliert. 

 

Wenn unsere Tablets ihrerseits von der technischen Evolution überholt werden, wird kein akustisches Denkmal ihrer gedenken. Die kultisch verehrten Ipads von heute, werden dereinst anonym beerdigt.

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