Es scheint ein beliebtes Hobby unter Medienmanagern zu sein, in der spärlich bemessenen Freizeit Diplomat zu spielen und sich an den weltpolitischen Konflikten dieser Zeit zu probieren. Wie sonst lässt sich erklären, dass sich in den vergangenen Jahren gleich zwei wichtige Medienvertreter aufmachten, um es mit den Staatschefs dieser Welt aufzunehmen und im Handumdrehen die ein oder andere politische Krise zu lösen. Soweit zumindest die Theorie der Herren Axel Springer und Eric Schmidt.

Manche Barrieren lassen sich nicht so einfach überwinden…(junicks/flickr.com/CC BY-NC-ND 2.0)

Es ist schon eine Plage mit uneinsichtigen Staatschefs wie Nikita Chruschtschow oder Kim Yong-un, die partout nicht verstehen wollen, dass der Westen doch grundsätzlich immer nur ihr Bestes will. Und so ist es vollkommen legitim, wenn sich einige hochrangige Medienvertreter endlich selbst auf den Weg machen, um zu erreichen was Diplomaten über Jahre hinweg nicht gelungen ist.

Erfahrungsgemäß benötigt es dann allerdings doch ein wenig mehr als eine Portion diplomatischen Feingefühls und dem überzeugten Glauben an das Gute im Menschen. Im Angesicht von Nikita Chruschtschow musste diese Erfahrung bereits Axel Springer machen, als es ihm im Jahr 1958 nicht gelang, das Herz des sowjetischen Präsidenten mit einem selbst-entworfenen Plan zur Wiedervereinigung zu erweichen. Auch Eric Schmidts Plauderstündchen mit dem Nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un zeigte nicht die erhoffte Wirkung.

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Google in Nordkorea und Springer in der Sowjetunion

Als Medienmanager ist man ganz schön wichtig und hat deswegen ein großes, aber oft verletztes, Ego. Zwar deutet man die Welt, doch politisch das Sagen haben offiziell leider diese Nasen von Politikern – wie ungerecht.

 

Zwei ganz verschiedene Medienmenschen haben aber doch versucht, mal so richtig Weltpolitiker zu spielen. 

 

Wir schreiben das Jahr 1958. Im klirrend kalten Januar machte sich Axel Springer auf ins ferne Moskau. 

 

Der Verleger des Busen- und Boulevard-Blatts BILD wollte dem sowjetischen Staatschef Chruschtschow seinen selbst verfassten 5-Punkte-Plan für die Wiedervereinigung Deutschlands vor die Nase halten. Ernsthaft jetzt. Zwei Staatsmänner würden sich tief in die Augen schauen und erkennen: Deutschland muss vereint sein. Doch der Plan des selbsternannten Star-Diplomaten interessierte Chruschtschow so gar nicht. 

 

Im Januar 2013, fast genau 55 Jahre später, ist Eric Schmidt in einer inoffiziellen Delegation nach Nordkorea gereist. Der Chef des Verwaltungsrats von Google wollte für ein freies und offenes Internet werben. Er wollte so lange in die finsteren Gesichter der dortigen Funktionäre schauen, bis alle wissen: das Netz muss frei sein. Auch Schmidt konnte keinen Durchbruch vermelden. 

 

Pech gehabt. 

 

Der Bild-Mensch Springer und der Bit-Mensch Schmidt werden weiterhin unter M wie Medien in den Geschichtsbüchern stehen, und nicht unter T wie Top-Diplomat. Doch wenigstens können und konnten sie ihren Kindern erzählen, dass sie fast, ja fast, auch als Diplomaten ganz groß die Welt verändert hätten. 

 

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