Wer am 21. Dezember letzten Jahres mit gepackten Koffern auf das Ende der Welt wartete, der erlebte gleich zwei Enttäuschungen. Denn nicht nur der von vielen herbeigesehnte und durch zahlreiche Motto-Partys zelebrierte Weltuntergang blieb aus, sondern auch ein anderes Ereignis ließ vergebens auf sich warten: Das von der Gruppe Anonymous groß angekündigte “Projekt Mayhem”. 

Hat Anonymous sich auf den Weltuntergang verlassen?
(theIGI™/flickr.com/CC BY-NC-ND 2.0)

In Anlehnung an den Film “Fight Club” und den Plan von Protagonist Tyler Durden, das amerikanische Firmenwesen zu stürzen, plante Anonymous nämlich im Dezember eine groß angelegte Datenveröffentlichung auf der  Enthüllungs-Plattform Tyler. Falls die Mächtigen aus Wirtschaft, Politik oder der Finanzbranche auf diese Ansage hin das große Zittern bekommen haben, war die Angst (zumindest bist jetzt) völlig unbegründet.

Denn bisher war die Ansage von Anonymous nicht viel mehr als heiße Luft. Bereits im Dezember gab die Gruppe in einem Video bekannt, dass die Datensuche nicht wie geplant vonstatten ginge und forderte die Netzwelt auf, Tyler mit Leaking-Daten zu versorgen. Bisher scheint der Aufruf nicht die gewünschte Wirkung gezeigt zu haben, denn das Netz wartet auch weiterhin auf das angekündigte Daten-Armageddon.

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung.

Tyler oder Das ausgebliebene Armageddon

 

Erinnert sich noch jemand? Am 21. Dezember sollte bekanntlich die Welt untergehen. So wirklich gebibbert hat allerdings niemand. Doch ein anderes epochales Groß-Ereignis haben einige sehnsüchtig erwartet: Project Mayhem, zu Deutsch: Projekt Chaos. Anonymous hatte es angekündigt. 

 

Zur Gedächtnisauffrischung, das sind die hier: 

 

„We are Anonymous, we do not forgive, we do not forget“ 

 

Die großmäulig auftretende Hacker-Bewegung wollte massenweise geheime Dokumente online stellen. Am 21. Dezember wären dann die ganz großen Schweinereien der Welt bloßgestellt. Das war der Plan von Anonymous. Und die ultimativen Kräfte des Bösen wären geschlagen: das Militär, die Finanzbranche, die Wirtschaft und die Politik sowieso.  

Zu lesen sein sollte das auf Tyler, einer eigenen Enthüllungs-Plattform: zehnmal brutaler und effektiver als diese Kindergarten-Seite Wikileaks. 

 

Doch: Keine Flut an vertraulichen Dokumenten, nichts spülte die Verwalter des Bösen hinweg. 

 

Die Börsen arbeiten noch, das Pentagon steht noch, und Angela Merkel kehrt jeden Abend fröhlich zurück zu ihrem Professor Sauer.  

 

Also alles eine Luftnummer? Das Video zum „Projekt Chaos“ ist mittlerweile von der Seite verschwunden, statt dessen steht da ein Uralt-Video von Oktober 2012, das über Tyler aufklärt. Da heißt es dann ganz bescheiden: 

 

Wir werden es alles veröffentlichen.

 

Es wird sich wie ein Virus durch die riesigen Daten-Autobahnen des Internets verbreiten.

 

Und dann der Klassiker:

 

„We are anonymous. We are unforgiving. We do not forget.“ 

 

 

Schon klar. 

 

„Expect us.“

 

Machen wir. 

 

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