Massaker wie das in Newtown, ausgeübt durch Schüler, bei denen zahlreiche junge Menschen sterben, hinterlassen die Angehörigen oft schockiert und erschüttert über die eigene Hilflosigkeit. Gleichzeitig werden gerade dann die Stimmen von Kritikern laut, die die Waffenlobby oder das Geschäft mit gewaltverherrlichenden Computerspielen für die Gewaltbereitschaft junger Menschen verantwortlich machen. So geschehen auch in der amerikanischen Kleinstadt Southington: Dort gründete sich eine Bürgerinitiative, die sich die systematische Vernichtung von Gewalt-Games zur Aufgabe macht. 

Sind Spieleverbrennungen eine Lösung im Kampf gegen Gewalt-Games? (Milo.E/flickr.com/CC BY-NC-ND 2.0)

Mit ihrem “Violent Videogames Return Program” stießen die Initiatoren aus Southington, Connecticut, auf offene Ohren, denn das Massaker von Newton hat viele Amerikaner in ihren Grundfesten erschüttert. Dies zeigt auch die öffentliche Unterstützung für Präsident Obama, der im Kampf gegen die mächtige Waffenlobby an einer Verschärfung des Waffenrechts tüftelt.

Es ist Zeit für eine Veränderung, so viel steht fest im Land der Waffennarren und lockeren Schusswaffengesetze. Unter anderem stehen das Verbot von Sturmgewehren und stärkere Kontrollen beim Schusswaffenkauf weit oben auf der Prioritätenliste des Präsidenten. Es bleibt abzuwarten, ob der Anti-Waffen-Aktivismus seine Dynamik beibehält, oder nach einigen Wochen wieder verpuffen wird. In Southington zumindest wurde die Spieleverbrennung vorerst abgeblasen: Das Ziel, eine breite Öffentlichkeit auf das Problem von Gewaltspielen aufmerksam zu machen, sei auch ohne ein öffentliches Lagerfeuer aus Computerspielen erreicht worden.

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung:

Spieleverbrennung

 

Am 14. Dezember erschoss ein junger Mann 26 Schüler und Lehrkräfte der Sandy-Hook-Schule und tötete sich anschließend selbst. Newtown steht seitdem unter Schock.

 

Die Folgen reichen weit über Connecticut hinaus; in Amerika läuft seit Wochen die Diskussion über schärfere Waffengesetze. 

 

Ein Signal der besonderen Art wollte da eine Bürgerinitiative in Southington, eine Kleinstadt in der Nähe von Newtown, setzen. Für 25 Dollar konnte man dort seine alten Computerspiele loswerden – einzige Bedingung: Sie müssen brutal sein. Auch für andere Medien mit gewalttätigem Inhalt, etwa Musik oder Filme, bekommt man Gutscheine, zum Beispiel für den Besuch des örtlichen Schwimmbads.

 

Southington SOS, wie sich die Aktivisten nennen, wollte die eingesammelten CDs und DVDs anschließend vernichten. Am 12. Januar sollten sämtliche Medien öffentlich verbrannt werden. 

 

Ein klarer Fall: Die Aktivisten haben Humor und ausgeprägtes historisches Bewusstsein.  

 

Doch die Initiatoren beteuerten selbstverständlich, Computerspiele nicht verteufeln zu wollen. Ihr Ziel sei es lediglich, eine Debatte über die zunehmende Darstellung von Gewalt in den Medien anzustoßen.

 

Viele Experten hielten die Aktion dennoch für einen Kurzschluss. „Moral Panic“ nennen sie den weit verbreiteten Versuch, die Schuld für Amokläufe in den Medien zu suchen. 

 

Die Spieleverbrenner von Southington haben ihren verwegen Plan übrigens mittlerweile aufgegeben. Begründung: fortschreitender Erfolg. Die Debatte sei angestoßen. Vielleicht drohen sie ja dann zukünftig auch mit Konzentrationslagern für Schulschwänzer oder mit dem totalen Internetverbot. 

Weitere Informationen und Links zum NETZ.REPORTER bei Facebook und Twitter.