Kostenloskultur, Raubkopierer oder Contentmafia . Die Reihe der Kampfbegriffe in der Urheberrechtsdebatte ist endlos. Kann man die Diskussion eigentlich noch ideologiefrei führen? Wir haben es mal versucht.

CopyrightDas Urheberrecht: ein Auslaufmodell? (MikeBlogs | Flickr | cc-by-nc-2.0)

Dass die Digitalisierung die Handhabung immaterieller Güter wie Musik, Film oder Text dramatisch verändert hat, gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen des Onlinezeitalters. Die daraus zu ziehenden Konsequenzen schätzen die Beteiligten allerdings sehr unterschiedlich ein.  Fordern die einen eine Reform des Urheberrechts, um die rechtliche Handhabung neuen kulturellen Praktiken wie Kopie, Mash-Up oder Verlinkung anzupassen, fürchten die anderen die Zerstörung der Lebensgrundlage und Geschäftsmodelle von Künstlern und Verlagen.

Radikaler Lösungsansatz: Komplette Abschaffung des Copyrights

Neue Entwürfe zum Leistungsschutzrecht könnten das seit Jahrzehnten existierende Urheberrecht beispielsweise auch für Presseverlage wirkungsvoll durchsetzen. So die Überzeugung vieler. Andere sehen in derartigen Vorstößen weltfremde Konzepte, die sich im digitalen Raum weder durchsetzen lassen, noch zeitgemäß sind. Mit Blick auf die Verfahrenheit der Auseinandersetzung schlägt das Buch “No Copyright” von Joost Smiers und Marieke van Schijndel, das in dieser Woche in Deutschland vorgestellt wurde, eine radikale Lösung vor: Die komplette Abschaffung des Copyrights.

Die kontrovers geführte Debatte erhitzt weiterhin die Gemüter

Utopischer Tagtraum digitaler Extremisten oder kluger Ansatz einer allgemeinen Befriedung der erhitzen Diskussion? Darüber diskutiert Vera Linß mit Christoph Keese vom Springer Verlag, dem Blogger Michael Seemann und dem Juristen und Urheberrechtsexperten Till Kreutzer von irights.info.

Unten gibt es das Audio zum Nachhören, hier außerdem die Timeline der Sendung:

00:55 Vorstellung der Studiogäste: Till Kreutzer (TK), Christoph Keese (CK), Michael Seemann (MS)

02:00 TK: Was ist eigentlich Urheberrecht, wozu dient es?

04:00 MS: UR verursacht mehr Probleme als es löst

04:50 CK: Digitalisierung bedingt Modernisierung – keine Abschaffung

06:30 TK: Unterscheidung zwischen Sacheigentum und geistigem Eigentum

08:40 CK: Klärung von UR-Ansprüchen muss mit technischen Mitteln vereinfacht werden

11:00 TK: im Privatbereich sollte das UR möglichst selten eine Rolle spielen (Nutzung durch Pauschalvergütungssysteme vereinfachen)

14:05 CK: Vergütung von UR-Ansprüchen am besten per 0-Click-Lösung

16:00 MS: DRM ist gescheitert, technische Lösungen funktionieren nicht

18:30 TK: Das UR wurde als Recht der Verwerter konzipiert

21:00 MS: UR beschneidet die Meinungsfreiheit

22:50 CK: (Bezahl- und CC-)Systeme sind da, es fehlt der Content (am Bsp. der Bildrechte)

24:15 TK: Pauschalvergütung ist zukunftsträchtiger als Micro-Payment

28:20 MS: bisherige Konzepte der Kulturflatrate noch nicht ausgereift, geistiges Eigentum kann es nicht geben („standing on the shoulders of giants“)

31:20 CK: geistiges Eigentum muss geschützt werden

34:20 TK: den „genialen Schöpfer“ gibt es nicht – das ist aber kein Grund, das UR abzuschaffen

39:20 TK: in einer Gesellschaft ohne UR würde das Recht des Stärkeren gelten, die geschicktesten Vermarkter setzen sich durch

41:00 MS: bloggt unter WTFPL („Do What the Fuck You Want to Public License“), Problem des Raubdrucks existiert nicht

42:45 CK: ohne UR gäbe es keine Verlage mehr (und keinen bezahlten Journalismus)

44:10 TK: es ist naiv zu glauben, dass Texte nicht „geklaut“ werden, nur weil es unmoralisch ist (ergo: ein UR ist nötig)

49:15 TK: die Macht des Faktischen wird zu einer Reform des UR führen

50:00 Diskussion: welche Rolle werden Kuratoren spielen (professionell vs. maschinell vs. sozial)?

52:00 Schlussrunde: welche Änderungen des UR sind wünschenswert?

 

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