Während die Stars aus NBA und NHL seit Jahren liken und sharen, followen und faven, blieben die meisten deutschen Athleten lieber analog. Doch allmählich ändert sich das: Inzwischen twittern sogar Titan und Kaiser@Becker_Boris und @HansSarpei sind ohnehin längst Kult.

Oliver Kahn
Als Wachsfigur bei Madame Tussauds schreit der Titan so wie man ihn kennt – neuerdings zwitschert er auch ganz friedlich. (Madebyr.de | flickr | CC BY-ND 2.0)

Den Audioplayer mit dem NETZ.REPORTER findet ihr unten.

Sport ist ein Millionenbusiness. Längst sind die Akteure zu rennenden, schießenden und werfenden Unternehmen auf zwei Beinen geworden. An das unvermeidliche Merchandising haben wir uns dabei längst gewöhnt. Kaffee kann man aus Roger-Federer-Tassen trinken, in Bettwäsche von Bayern München schlafen oder die Chicago-Bulls-Version eines Sportwagens fahren.

Zu dieser Form der Unternehmenskommunikation gehören natürlich auch die Social-Media-Kanäle. Dementsprechend treiben die Galionsfiguren der verschiedenen Sportarten ihr Unwesen auf Twitter und Facebook.

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung:

Den Deutschen sagt man gerne eine gewisse Technikskepsis nach. Die Digitalisierung schreitet hierzulande traditionsgemäß etwas langsamer voran als im Rest der Welt. Das gilt auch für den Sport: Während die amerikanischen Stars seit Jahren liken und sharen, followen und faven, blieben die deutschen Athleten lieber analog. Doch allmählich ändert sich das.

Geht man nach der Reichweite auf Twitter, ist Dirk Nowitzki mit Abstand am erfolgreichsten. Über eine halbe Million Menschen folgen seinem Account. Ganz fair ist der Vergleich aber nicht, denn als NBA-Spieler interessieren sich auch Amerikaner für ihn. Dirk Nowitzki twittert wie er Basketball spielt: Überlegt, professionell – und weitestgehend fehlerfrei.

Das unterscheidet ihn von Boris Becker. Kulturpessimisten dürften sich durch sein Gezwitscher endgültig darin bestätigt sehen, dass ein handgeschriebener Brief doch immer noch die beste Form der Kommunikation sei. Mit experimenteller Orthographie und kreativer Interpunktion, mal auf Deutsch, mal auf Englisch, teilt er der Welt mit, was er von ihr denkt.

Das ist manchmal banal – „It‘s a sunny sunday!“ – und nicht selten unfreiwillig komisch – „Hoffentlich zeigen wir den Tulpen- und Wohnwagenbesitzern, wie Fußball gespielt wird!!!

Kurzum: Es entspricht also genau dem, was ein Großteil der Twitter-Nutzer so von sich gibt.

Wirklich lustig, und das sogar gewollt, sind dagegen manche Tweets von Hans Sarpei. Bei Schalke 04 war er meist nur Ersatz – im Netz dagegen ist er Kult. Hans Sarpei kann Bälle umkippen und läuft die 100 Meter in einer Sekunde, weil er eine Abkürzung kennt. Jesus geht übers Wasser – Hans Sarpei schwimmt sogar auf dem Land.

Über 1000 solcher Facebook-Gruppen gibt es, die Hans Sarpei nach dem Vorbild der Chuck-Norris-Sprüche huldigen. Vielleicht war es dieses Positivbeispiel, das auch Franz Beckenbauer und Oliver Kahn bewogen hat, es doch mal mit diesem Twitter zu versuchen.

Des Titanen erste Worte: „Wir werden Europameister!!!“, mit drei Ausrufezeichen. Die folgenden Tweets waren nicht unbedingt origineller. Immerhin hat ihm Hans Sarpei eine kleine Twitter-Nachhilfe angeboten. Noch hat Oliver Kahn nicht reagiert – er sollte es sich dringend überlegen.

 

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