Ein begeisterter Fan des Computerspiels Civilization II sitzt zehn Jahre an ein und derselben Partie. Nach unzähligen Spielstunden landet er im Jahr 3991. Die Natur ist zerstört, Krieg ist Normalzustand. Es ist eine Zukunftsvision, die Angst macht – auch, weil sie so verdammt realistisch wirkt.

Civilization II
An dieser Partie Civilization II spielt Lycerius seit zehn Jahren. (Quelle)

Civilization II ist ein 16 Jahre altes Strategiespiel. Die Landschaft besteht aus groben Farbklötzen, längst ist die fünfte Ausgabe der Reihe erschienen. Doch noch immer hat das Spiel begeisterte Anhänger. Einer davon ist Lycerius. Seit zehn Jahren sitzt er an ein und derselben Partie des Spiels. Er hat sein Volk aus der Steinzeit in die Gegenwart geführt – und darüber hinaus. Mittlerweile ist er im Jahr 3991 angekommen.

Die Welt ist zerstört

Die Welt ist durch Atomkriege zerstört und radioaktiv verstrahlt, die Polarkappen sind abgeschmolzen, und drei Supermächte kämpfen um die letzten verbliebenen Ressourcen. Das Szenario erinnert an die Dystopie, die George Orwell in 1984 heraufbeschworen hatte. Seit 1700 Jahren dauert der Dritte Weltkrieg an, von der Weltbevölkerung ist kaum noch etwas übrig. Die Demokratie? Ein Relikt des 30. Jahrhundert, mit dem Parlament war kein Krieg zu gewinnen. Die Vereinten Nationen? Nimmt niemand mehr ernst. Die Aussichten? Düster.

Community soll Hilfe leisten

An diesem Punkt bittet Lycerius die Online-Comunity reddit um Hilfe. Er möchte nicht, dass zehn Jahre Spielzeit in einem ewigen Krieg enden. Die User sollen ihm Tipps geben, um die Welt zu befrieden. Innerhalb von 48 Stunden erhält er 3500 Kommentare, sogar in die englischsprachige Wikipedia hat er es geschafft. Einem Spieler ist es dann auch gelungen, den Krieg zu beenden. Doch wer sich anschaut, wie er dabei vorgegangen ist, kann nur hoffen, dass aus diesem Spiel niemals Wirklichkeit wird.

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung:

Regie: Kriegsgeräusche, Detonationen, Schusswaffen

Wir schreiben das Jahr 3991. Von Welt wie wir sie heute kennen ist nichts mehr übrig. Die wenigen verbliebenen Menschen leben in der Hölle auf Erden. Drei Nationen führen einen brutalen Vernichtungskrieg um die letzten verbliebenen Ressourcen. Viele sind es nicht – die Polarkappen sind abgeschmolzen, dutzende Atomkriege haben die Natur vollständig zerstört.

Dieses Szenario sieht Lycerius, wenn er auf seinen Bildschirm blickt. Zum Glück handelt es sich nicht um die Prognose eines Supercomputers – sondern um die Vorhersage eines 16 Jahre alten Computerspiels. Lycerius ist Fan des Strategiespiels Civilization II. Aufgabe ist es, sein Volk aus der Steinzeit durch die gesamte Geschichte der Menschheit zu führen. Das Spiel endet dabei nicht in der Gegenwart, sondern lässt sich beliebig in die Zukunft fortsetzen.

Regie: Tastenklappen, Mausklicken, typische Spielmusik von Civilization, z.B. in diesem Youtube-Video ab 0:50

Genau das hat Lycerius getan. Seit zehn Jahren spielt er an derselben Partie Civilization II. Um nicht von den Amerikanern vernichtet zu werden, hat er sich von der Demokratie verabschiedet. Das Parlament hatte ihn jedes Mal überstimmt, wenn er sich Angriffe der Computergegner militärisch wehren wollte.

Regie: Chinesische Nationalhymne

Jetzt herrscht Lycerius über einen kommunistischen Staat ohne Mitbestimmungsrecht. Die Bevölkerung hasst ihn, Bürgerkrieg ist zum Normalzustand geworden. Seit 1700 Jahren dauert der Dritte Weltkrieg an. Auf Friedensangebote reagieren seine Gegner mit Atomraketen.

Eine Horrorvision – die Lycerius nicht einfach hinnehmen möchte. Er fragte in der Online Community reddit um Rat, wie er den Krieg beenden könne. Die Resonanz war gewaltig: 3500 Kommentare in zwei Tagen. darunter ausgefeilte Strategietipps.

Die gute Nachricht: Einem User ist es gelungen, die Welt aus Lycerius Spielstand zu befrieden. Die schlechte Nachricht: Er musste dafür die beiden anderen Völker auslöschen – sonst wäre der Krieg endlos weitergegangen.

Aber – es ist ja nur ein Spiel. Allerdings ein verdammt realistisches.

 

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