Marcel ist reif dachten sich die Macher der gleichnamigen Webseite – und deshalb kann dort jeder, der denkt, dass dem Spiel nicht nur ein Tor, sondern auch ein anständiger Kommentator gut tun würde, selbst seine Fußballweisheiten zum Besten geben. Und die ganze Welt kann zuhören. Stellt sich nur noch eine Frage: Wenn #marcelreifist, was ist dann Béla Rethy? Fallobst?

Marcel Reif
“Möller, Ricken, Ricken, lupfen jetzt! Jaaaaaaa! Fünf Sekunden auf dem Platz, fünf Sekunden… Lars Ricken!” (flickr.com | achimh | CC BY-SA 2.0)

In der deutschsprachigen Fußballreportage herrscht ja seit Jahren strengstes Humorverbot. Doch es gibt einen Lichtblick. Denn es gibt eine Seite, auf der jeder Fußballkommentar werden kann.

Sie trägt den schönen Namen marcel-ist-reif.de. Alles, was man braucht, ist ein funktionierendes Headset und einen Internetanschluss. Von Wolf Dieter Poschmann genervte Fußballfans haben hier die Möglichkeit eine Alternative zum stillen Wohnzimmer zu finden.

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung:

In den 80er Jahren wurde Fußball zum Teil so kommentiert: Kaltz. Hrubesch. Rummenigge. Tor.

Minimalistisch, emotionslos, sachlich.

Diese exotische Blüte des Fußballkommentars ist längst vertrocknet. Aber es gibt Hoffnung. Denn das Netz hat das Monopol des Sprechers aufgebrochen.

O-Ton1

Marcel-ist-reif.de heißt die Webseite für alle verzweifelten Fußballfans auf der Suche nach einer Alternative zum gängigen Reporterjargon. Die Idee ist einfach und gut: Wer genug hat von Steffen Simon und Hans-Dieter Poschmann, schaltet nicht nur seinen Fernseher stumm.

Bei „Marcel ist reif“ findet man zu jedem EM-Spiel eine Handvoll Amateurreporter.

Das Sprachspektrum reicht von elaboriert bis radebrechend, von Hessisch bis hochdeutsch nasal.

30 Kommentatoren haben sich bereits registriert. Spekulative Steilpässe, hemmungslose Phrasenmäher und Seitfallzieher der Fußballweisheit.

Denn nie war es so einfach Kommentator zu werden: alles, was man braucht, ist ein funktionierendes Mikro und einen Livestream, damit man auch sieht, was man kommentiert.

O-Ton 2

Dilettantisch, komisch, langweilig oder taktisch-feinsinnig. Gnadenlos parteisch, mit Dialekt oder pathetisch.

Die öffentlich-rechtliche Einbahnstraße des Fußballkommentars ist nun von allen in alle Richtungen befahrbar. Mehrere Spuren haben ein kleines Delta der Sportreportage geschaffen.

Doch der Realitätscheck fällt bei Griechenland-Tschechien dann allerdings noch recht dürftig aus.

O-Ton 3

Vielleicht lags ja am Spiel. Sonst kann dem jetzt aber natürlich ganz schnell abgeholfen werden. Setz einfach den Headset auf und weck den Heribert Fassbinder in dir.

 

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