Die Idee scheint so simpel wie genial: Ein Blog bietet Baupläne für Designermöbel zum Download an. Gratis. Können Hartz-IV-Empfänger bald auf selbstgebastelten Mies van der Rohe-Stühlen niederlassen? Wohl kaum, denn 374 Euro im Monat reichen nicht einmal für die Materialkosten.

Hartz-IV-Möbel
Ein Trödelladen mit günstigen Möbeln für knappe Kassen. (flickr.com | gynti_46 | CC BY-NC-SA 2.0)

Die Möbelstücke heißen “Kreuzberg 36 chair”“Neukölln desk” oder “Beta Block” und sind Design-Meilensteinen der klassischen Moderne von Mies van der RoheGerrit Rietveld und so weiter nachempfunden. Das nonkommerzielle Projekt des Berliner Architekten Le Van Bo hat es bis zur Taiwan Design Expo gebracht.

Neo-Bohèmien

Genau das Richtige also für den verarmten mega chic-chic Neo-Bohèmien: Er kann stolz seine DIY-Holzsplitter in den Fingern vorführen und sich dann arm, aber sexy auf dem Multifunktions-Schlafsofa „SiWo” (kurz für Single-Wohnung) räkeln.

Zu teuer für Hartz IV

Allerdings bleibt am Ende die Erkenntnis: selber bauen ist immer noch teurer als Ikea, und echte Hartzler kommen bei 348 Euro Materialkosten für ein Schlafsofa wahrscheinlich auch ins Grübeln.

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung:

Hartz vier -  und der Tag gehört Dir. Und statt römisch-dekadent mit Sterni Pils in der Hand auf den betreuungsgeldfinanzierten Flatscreen zu starren und zwischendurch seine 12 Kinder wahlweise zu schlagen oder bei DSDS anzumelden, kann man arbeitsmarktbedingte Freizeit jetzt auch sinnvoll nutzen. Durch Heimwerken zum Beispiel.

Die Seite hartzivmoebel.de bietet eine Sammlung von Bauplänen für Designermöbel, die man mit wenig Geld selbst herstellen kann. Zum Beispiel den Kreuzberg 36 chair: 36 Arbeitsschritte, 36 Euro. Oder auch der Neukölln-Desk oder das Single-Wohnungs-Bettsofa. Alle vom Berliner Designer Le Van Bo entworfenen Stücke orientieren sich an Möbeldesign-Klassikern von Gerrit Rietveld, Mies van der Rohe und Konsorten.

Die Werkstücke scheuen sich dabei durchaus nicht vor tischlerisch anspruchsvollen Übungen wie geschwungenen Lehnen und Schwalbenschwanzzinken – aber dank detaillierten und launigen Anleitungen schafft man’s angeblich sogar mit zwei linken Händen.

Das Projekt ist nonkommerziell: Die Baupläne kann man gratis herunterladen. Le Van Bo geht es nur um die Designer-Meriten. Und das Projekt hat es dann auch bis zur Taiwan Design Expo geschafft.

Zwar gilt weiterhin: wenn du es noch billiger haben willst, geh zu Ikea. Aber was soll’s, der Erfahrungswert ist unbezahlbar, und vor allem wissen wir jetzt: Hartz vier muss nicht Eiche-rustikale Möbeldiscounter-Blümchenpolster-Sitzgruppe bedeuten. Die Kunst des stilvollen Verarmens, für Fortgeschrittene.

 

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