Die Finanzkrise nimmt kein Ende. Aber der klassische Journalismus scheint das Thema nicht mehr vermitteln zu können. Kann das Netz mit seinen neuen Formaten helfen? Vera Linß diskutierte mit Informatik-Professorin Ina Schieferdecker, dem Finanzblogger Dirk Elsner, dem Journalisten Patrick Bernau von der FAZ und Christian Humborg von Transparency International. Die Timeline zum gezielten Nachhören gibt’s nach dem Bruch.

WirtschaftsjournalismusWirtschaftsjournalismus auf dem Weg zu neuen Ufern. (Toban Black | Flickr | cc-by-nc-2.0)

Die Weisheit der Masse ist ein geflügeltes Wort im Internet, Wikipedia ihr glänzendes Beispiel: Tausende tragen das Wissen der Welt in unzähligen Sprachen zusammen. Noch ein weiterer Begriff hat Konjunktur: Crowdcontrol. Politik und Verwaltung sehen sich zunehmend einem Kontrolldruck durch die Massen ausgesetzt.

Der Sturz des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg ist der bekannteste Fall. Neben diesem namhaften Beispiel gibt viele kleine Schritte Richtung Transparenz. Die Regierungen der USA und Großbritanniens haben schon vor Jahren Internetportale eingerichtet, auf denen sie Verwaltungsdaten veröffentlichen. Diese Open-Data-Projekte haben mittlerweile auch Nachahmer in Deutschland gefunden.

Transparenz in der Wirtschaft?

Die Politik scheint sich auf dem Weg in die digitale Gegenwart zu befinden. Aber wie steht es eigentlich um Wirtschaft und Finanzmärkte? Welche Transparenz herrscht dort? Ist die maschinenlesbare Bilanz ein Standard? Kann der konventionelle Journalismus für die richtigen Einblicke sorgen? Oder braucht es neue Formen und Formate?

 

Der Wirtschaftsblogger @TeraEuro hat mit Hilfe von Storify einen Überblick aller Tweets rundum die Sendung gebaut und dabei ein eher kritisches Fazit gezogen:

Meine leider nicht vorab geäusserte Skepsis scheint sich zu bewahrheiten: Es ist keine gute Idee, 4 (?) Interview-/Gesprächsrundenpartner mit mindestens 2 spannenden Themenkomplexen in eine 55-Minutensendung zu packen (Wirtschaftsjournalismus und OpenData). Aus rein praktischer Hörersicht: etwas wild durcheinander und alles kommt viel zu kurz .. sorry, ist so!


Wer sich eine eigene Meinung bilden möchte: Unten gibt es das Audio zum Nachhören, außerdem eine Timeline der Sendung:

00:00 Anmoderation: Anshu Jain (AJ)

01:00 Vorstellung der Gäste: Dirk Elsner (DE), Patrick Bernau (PB), Christian Humborg (CH), Ina Schieferdecker (IS)

02:45 kurzer Themenüberblick: Status quo des Wirtschaftsjournalismus, Impulse durch Blogs, Digitalisierung als Triebfeder, Open Data als Chance

03:00 DE: Personalie AJ taugt nicht als Aufreger, da keine größere Symbolwirkung

04:45 CH: taz-Recherchen über AJ als Beispiel für guten Wirtschaftsjournalismus

05:45 PB: Spekulationen von AJ haben der Finanzkrise sogar entgegengewirkt

07:50 Hätte der Wirtschaftsjournalismus die Krise voraussehen müssen?

08:50 Artikel im ZEITmagazin: Wirtschaftsjournalisten haben versagt

10:15 CH: Journalisten können nicht in Haftung genommen werden

11:45 DE: Qualität des Wirtschaftsjournalismus ist hoch – Problem: kaum Interesse, weil komplexe Themen nur für Spezialisten verständlich

14:10 IS: Informationen stehen zur Verfügung, werden aber unzureichend transportiert

14:40 PB: Wir müssen uns auch am Interesse der Leser orientieren, können nicht täglich schwere Wirtschaftskost bringen

15:50 CH: Wirtschaftsblogs erzeugen keinen politischen Handlungsdruck

18:10 PB: große Erklärstücke sind nötig – für die Leser aber eine Herausforderung

19:30 IS: Journalisten haben Schwierigkeiten, an Informationen heranzukommen. Gute Datenlage ist Voraussetzung für guten Journalismus

21:20 CH: Open Data-Debatte bislang auf Staat und Politik beschränkt, Transparenz auch in Wirtschaft und Finanzbranche dringend nötig

23:00 PB: Open Data birgt großes Potential für Wirtschaftsjournalisten

23:50 DE: Auswertung von Daten erfordert große Kapazitäten (Zeit, Personal, Qualifikation)

25:30 IS: Datenjournalismus gewinnt durch Open Data an Einfluss

26:30 PB: viele Wirtschaftsjournalisten bringen datenjournalistische Kenntnisse mit. Interaktive Aufbereitung und Visualisierung von Wirtschaftsthemen kein Lesermagnet

28:00 IS: Open Data steckt noch in den Kinderschuhen, es braucht mehr Zeit

29:30 IS: Meldepflichten von Unternehmen

30:30 CH: Unternehmen sind bestrebt, Geschäftsgeheimnisse zu wahren. Informationsfreiheitsgesetz alleine führt nicht zu mehr Transparenz

32:10 CH: Fähigkeiten im Umgang mit großen Datenmengen ist Handwerkszeug für Wirtschaftsjournalisten

34:20 PB: Die Wirtschaftsredaktion der FAZ ist nicht ideologisch

35:30 PB: Spekulation der Deutschen Bank hat die Kreditblase klein gehalten. Banker sind nicht unmoralischer als andere Menschen

36:50 DE wirtschaftliches Handeln mit moralischen Maßstäben zu bewerten, ist fast unmöglich

38:50 CH: Wirtschaft sollte auch in den Feuilletons behandelt werden

40:20 CH: Handeln von AJ war moralisch verwerflich. Deutsche Bank als pars pro toto

43:10 DE: Wirtschaftsredaktionen sollten ihre Quellen offenlegen

44:40 DE: Wirtschaftsblogs haben nicht die Kapazität, gegen klassische Medien „anzurecherchieren“, können aber kritische Fragen stellen

46:10 PB: Wirtschaftsblogs sind eine Bereicherung für unsere Arbeit

47:00 CH: unseriöser Wirtschaftsjournalismus hat finanzielle Konsequenzen (Hochjubeln von Aktien)

48:30 DE: Wirtschaftsblogs wirken als Korrektiv

50:00 CH: redaktionelle Abläufe als Qualitätssicherung (Faktencheck)

51:10 DE: Wirtschaftsberichterstattung trivialisieren, um mehr Leser zu erreichen

52:10 zu viele Warnungen machen unglaubwürdig

53:45 Zusammenfassung der Sendung