Nach dem Webstuhl und dem Fließband steht die dritte industrielle Revolution bevor. 3D-Drucker werden unsere Wirtschaft auf den Kopf stellen … Zumindest hätten sie das Potential dazu: Bereits heute können einfache Bauteile von jedermann produziert werden und im Netz entstehen Datenbanken für gemeinfreie druckbare Gegenstände. Der NETZ.REPORTER wirft einen Blick in die Zukunft.

Karl Marx
Druck dir deinen Marx (Wikimedia Commons)

Die industrielle Produktion verschiedenster Gegenstände ist ein hochkomplexer Prozess. Private Anwender mit begrenztem Budget konnten ihn in der Regel nicht bewerkstelligen. Bis jetzt. Die Verbreitung von günstigen 3D-Druckern lässt auf eine Demokratisierung der Produktionsverhältnisse hoffen. Ähnlich wie bei Papierdruckern kann sich jedermann beliebige Produkte ausdrucken lassen: Sie entstehen aus dünnen, erhitzen Kunststoffschichten, die der Drucker übereinander aufträgt bis der gewünschte Gegenstand entstanden ist.

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung:

Angeblich stehen wir an der Schwelle zur dritten industriellen Revolution. Nach der Erfindung des Webstuhls. Und des Fließbandes. Nach dieser Revolution müssen bewegungsunwillige Stubenhocker allerdings nie mehr aus dem Haus. Zum Einkaufen, beispielsweise. Stattdessen können sie den ganzen Tag in Bademantel und Pantoffeln durch die Wohnung schlurfen. Denn mit 3D-Druckern lassen sich benötigte Produkte bald selber „ausdrucken“. Bequem im eigenen Heim.

Ähnlich einem Papierdrucker entstehen hierbei dreidimensionale Gebilde. Ein Druckkopf trägt erhitzten Kunststoff, also 3D-Toner, schichtweise übereinander auf. Das gewünschte Produkt wächst so Schicht für Schicht in die Höhe.

Natürlich haben die gedruckten Gegenstände noch kein funktionales Eigenleben. Es wird nur eine Form imitiert. Von Handys. Oder Waffeleisen. Auch können noch keine belastbaren Ersatzteile hergestellt werden. Für seltene Oldtimer, zum Beispiel. 3D-Printer drucken aber bereits filigrane Gitarrenkörper aus Aluminium und Kunststoff, Zahnspangen und Schokoladenfiguren.

Einfache Bauteile können ohne Gießerei, ohne Großmaschinen billig hergestellt, ausprobiert und modifiziert werden. Von jedermann. Nicht nur von Ingenieuren in weißen Kitteln. Eine Flut neuer Erfindungen steht bevor.

Durch 3D-Drucker wird die Herstellung von Kleinstmengen in Industrieländern wieder rentabel. Maßanfertigungen sowie regionale Anpassungen sind kostengünstig vor Ort möglich. Sorry Asien. Ohrmuscheln für Hörgeräte, Prototypen in der Schuhproduktion und Medikamente werden schon „gedruckt“. Im Netz gibt es Datenbanken für entsprechende Allmenden – gemeinfreie, druckbare Gegenstände.

Mit Hilfe von 3D-Scannern könnten irgendwann vielleicht auch kopiergeschützte Markenartikel reproduziert werden. Die Blaupausen lägen dann im Netz. Neben Spielfilmen und Liedern. Probleme bei der digitalen Verbreitung geistigen Eigentums treten dann den Quantensprung in die materielle Wirklichkeit an. Die unvorbereiteten Produzenten fassbarer Güter werden sich wohl ähnlich melodramatisch gerieren wie derzeit die Bosse der Musik- und Filmindustrie. Zwangsläufig. Die bereits von Marx vorgeschlagene Demokratisierung der Produktionsmittel fordert revolutionären Kampf. Vielleicht jedoch nicht mehr zu unseren Lebzeiten.

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