42 Millionen Facebook-Fans, 333.000 Nutzer, die darüber sprechen – gemeint ist nicht der Facebook-Star Lady Gaga, sondern Coca Cola. Die Kaufkraft der 900 Millionen Facebook-Nutzer kann kein Unternehmen mehr ignorieren, soziales Marketing lautet das Buzzword der Stunde. Aber warum bekommt ein eher banales Foto 25.000 Likes, nur weil es von Coca Cola geteilt wird? Was treibt Millionen auf die Seiten ihrer Lieblingsmarken?

Coca Cola Fanpage
42 Millionen Likes: Die Facebook-Fanpage von Coca Cola. (flickr.com | SOCIALisBETTER | CC BY-NC-SA 2.0)

Der Hype war enorm, die Ernüchterung auch. Der Börsenstart der Facebook-Aktie lief nicht ganz so phänomenal, wie von Zuckerberg und den lancierenden Banken erwartet. Die Blase schrumpft wieder Richtung Normalmaß. Für die Skepsis der Anleger gegenüber Facebooks Entwicklungspotential dürfte auch der letzte Geschäftsbericht gesorgt haben.

Denn Facebooks Umsätze wachsen zwar immer noch anständig, aber langsamer als gewohnt. Gerade die Werbeeinnahmen, Facebooks Haupteinnahmequelle, sind sogar um 6 Prozent zurückgegangen. Autoriese General Motors stoppte unlängst seine Facebook-Kampagne, weil man einfach nicht an seine Kunden herankam.

Das mag manchen verwunden, denn die Zuneigung der Facebook-Gemeinde zu ihren Lieblingsmarken wächst scheinbar unaufhaltsam. Hinter den Megastars der Popmusik und Popkultur zählen Marken zu den beliebtesten Protagonisten des sozialen Netzwerks. Abseits der klassischen Anzeigenwerbung hat sich der 900 Millionen Nutzer starke Datensammler längst zum gigantischen Generator der Kundenbindung entwickelt.

Aber was zieht Abermillionen unwiderstehlich auf die Seiten ihrer Lieblingsbrausen, Lieblingsturnschuhe und Lieblingskaffeeketten?

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung:

Wir liken was wir können. Freunde von Freunden, Bekannte von Bekannten, Lieblingssender und Lieblingsserien. Aber nichts ist uns scheinbar so lieb und teuer, wie unsere Leib und Magenmarken.

Denn hinter Lady Gaga und Michael Jackson heißen die Megastars auf Facebook Coca Cola, und Starbucks. 42 Millionen User mögen die braune Brause. 30 Millionen schlürfen gerne Caramel Latte. Und immerhin 18 Millionen schätzen die schicken Schlüpper von Victorias Secret.

Mussten uns die Produzenten früher mit Werbung belagern, kommen wir heute freiwillig um unsere Zuneigung zu zeigen: Markenbewusste User sind keine Karteileichen. Jeder Post wird geliket und kommentiert bis die Finger bluten.

Aber was zieht uns magisch auf die Facebook-Seiten von Brauseproduzenten: Auch dazu gibt es interessante Studien. 37 Prozent sind an Sonderangeboten interessiert, 18 Prozent wollen unterhalten werden. Mindestens jeder Zwanzigste mag Marken, die seine Freunde mögen. Das uralte Schulhofgesetz gilt auch für digitalisierte Erwachsene.

Gerade für Onlinehändler sind Facebook-Freunde bares Geld. Schließlich ist das Einkaufsportal nur eineinhalb Klicks entfernt. Nach der guten alten Google Suche sind Social Media Kanäle mittlerweile die wichtigste Informationsquelle bei Kaufentscheidungen.

Community Management ist deshalb Gebot der Stunde. Als gute Freunde sagt man sich nette Sachen und interessiert sich brennend für die Meinung des andern. Frohen Muttertag wünscht Victoria’s Secret den „sexiest Moms on Facebook“. 25.000 fühlten sich angesprochen und ließen sich die Schmeicheleien gerne gefallen.

Die Kaufhauskette Walmart ist mit 15 Millionen Followern dabei. Auch sie macht die Facebookfrage zur Königsdisziplin der Kundenbindung. Pflanzt ihr dieses Jahr Blumen oder Gemüse? Dazu haben hunderte etwas zu sagen. Das schönste an Ostern, kennen 11.000 User. Die Eröffnung der Grillsaison: 10.000 Likes. Wer mag Erdbeeren: 30.000.

Hausfrauengeplauder hat sich vom Gartenzaun offenbar längst nach Facebook verlagert.

Im Social-Network des Small-Talk ersetzen Markenseiten Frühschoppen und Kaffeeklatsch. Zum Lieblingsquark gibt jeder gerne seinen Senf.

Großkonzerne verwandeln sich auf Facebook in freundliche Tante-Emma Läden. Wo man so persönlich bedient wird, kauft man einfach mit gutem Gefühl.

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