Vera Bunse hat uns bei DRadio Wissen (Kommentar #1 und #4) darauf hingewiesen, dass es für sie kaum möglich sei, den NETZ.REPORTER zu hören. Durch die Geräusche im Hintergrund könnten Innenohrschwerhörige kaum etwas verstehen.

Das führte zu diesem Dialog auf Twitter:

Die Entstehung des NETZ.SKRIPT

Warum es den NETZ.REPORTER künftig auch in einer Textfassung geben wird.

Storified by Simon Hurtz · Tue, May 22 2012 04:15:05

@kaffeebeimir Wegen deines Kommentars bei DRadio Wissen (schwierig für Schwerhörige): Ich kümmere mich drum und suche nach einer Lösung (sh)DRadio NetzReporter
@NetzReport Fein, danke. Ist ein sehr lästiges, aber unbekannt weit verbreitetes Problem. Da hilft leider auch kein Hörgerät.vera
@NetzReport Man kriegt etwa gleich laute Töne nicht auseinander und nimmt nur Klangmatsch wahr: http://de.wikipedia.org/wiki/Schwerh%C3%B6rigkeit#Schallempfindungsschwerh.C3.B6rigkeitvera
@kaffeebeimir Danke, dass du uns darauf aufmerksam machst. Vielleicht können wir auf unserem Blog eine Version ohne Nebengeräusche anbieten.DRadio NetzReporter
@kaffeebeimir Ich klemme mich dahinter und sage dir so bald wie möglich Bescheid, was daraus geworden ist (sh).DRadio NetzReporter
@NetzReport Herzlichen Dank!vera
@kaffeebeimir Doppelt produzieren ist zu aufwändig, tut mir leid. Wir arbeiten an der Mischung und posten die Skripte auf dem Blog. (sh)DRadio NetzReporter
@NetzReport Ok, danke.vera

… und letztendlich zu der Entscheidung, dass wir den NETZ.REPORTER in Zukunft auch als NETZ.SKRIPT auf diesem Blog veröffentlichen werden. Vermutlich schaffen wir es nicht, jede Folge hier zu posten – aber wir geben uns Mühe, möglichst regelmäßig eine Textfassung online zu stellen. Wenn besonderes Interesse an einer bestimmten Ausgabe besteht: einfach einen Tweet an @NetzReport schicken.

Die “Kultur der Kopie” hatte den Stein ins Rollen gebracht. Hier nun erst mal das entsprechende NETZ.SKRIPT, weitere Folgen in Kürze.

Ein Computerbefehl hat die westliche Kultur ins Herz getroffen: STRG+ C. Kopieren.

Die Kopie nämlich hebelt die Urheber- und Verwertungsrechte einfach aus. Mit einem Tastenkürzel. Das Urheberrecht müsse deshalb als historische Errungenschaft gewahrt werden, heißt es in einem aktuellen Aufruf. Zum Schutz der Autoren und Künstler.

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein existierte im Deutschen Reich jedoch gar kein Urheberrecht. Das hat weder dem Buchmarkt geschadet noch den Autoren. Im Gegenteil: Deutschland wurde ohne Urheberrecht zum Buchland. Autoren verdienten in der Zeit der Nachdrucke so viel wie nie zuvor oder danach. Im Vergleich zu England, das seit 1710 ein Copyright hatte, wurde in Deutschland ein Vielfaches publiziert. Das hat die historische Analyse des Wirtschaftshistorikers Eckhard Höffner gezeigt.

Mit der Einführung des Urheberrechts stiegen die Preise für Bücher. Die Kopie wurde verboten.

In der Kunst ist sie allenfalls als Lernmethode wichtig geblieben. Dabei kennt auch die Kunstgeschichte zahlreiche Episoden der Nachahmung. In China etwa ist die Kunst der Kopie elementarer Bestandteil der Kultur.

In der westlichen Zivilisation erlebt die Kopie mit den digitalen Techniken derzeit einen neuen Aufschwung. Shanzhai, Sample und Mash-Up sind nicht einfach nur Formen des Konsums, sondern  der Aneignung. Konsum und Produktion erfahren keine scharfe Trennung mehr. Denn im Digitalen sind die Produktionsmittel sozialisiert. Auch ohne Marx gelesen zu haben.

Analoges Kulturschaffen ist davon jedoch nicht betroffen. Ein Theaterabend lässt ebenso schlecht digital kopieren wie eine Rauminstallation.

Betroffen sind vor allem DVDs, E-Books und Studiomusik. Deshalb sollten die durchaus sinnvollen Urheberrechtsabgaben beim Kauf eines Rechners auch den Produzenten und Autoren neuer elektronischer Werke zufließen.

Ein simpler Befehl wie Strg+C lässt sich hingegen nur mit totalitärem Aufwand verbieten. Klammheimliche, kompromisslose Durchsetzung des Copyrights wäre das Mittel einer Diktatur, nicht das einer freien Kultur.