Roboter ersetzen Menschen – was bei vielen Tätigkeiten in der Industrie längst Alltag ist, schien im Journalismus bisher unmöglich. Eine Maschine kann doch keine guten Texte schreiben. Doch die Digitalisierung macht auch vor der Kulturproduktion nicht halt. Wird der nächste Nannen-Preisträger ein Computer?

Roboterjournalisten
Die digitale Revolution könnte auch Journalisten zu schaffen machen. (Foto: Donsolo unter CC BY-NC-SA 2.0)

Viele Industriezweige hätten nie geglaubt, wie nachhaltig das Netz ihr Geschäft beeinflusst. Bitter mussten sie erfahren, dass eine Anpassung an digitale Gepflogenheiten unumgänglich ist. Von einer sicheren Position am Rand haben Journalisten diese Entwicklungen beobachtet. Ihre eigenen Jobs sahen sie nie in Gefahr.

Ein US-amerikanisches Startup bietet nun erfolgreich computergenerierten Journalismus an. Das Ganze hat auf den ersten Blick nicht viel mit künstlicher Intelligenz zu tun, könnte aber auf Jahre eine Kulturleistung wie den Journalismus dramatisch verändern.

 

Und hier das NETZ.SKRIPT zur Sendung:

Journalisten sind ein vorlautes Pack. Keck kommentieren sie die Anpassungsschwierigkeiten der anderen – an das digitale Zeitalter. Genüsslich weiden sie sich am Wandlungsschmerz innovationsfeindlicher Saurier, wie der Musik- und Filmindustrie. Nun aber geht es den dreisten Schreiberlingen selbst ans Leder: Algorithmen verfassen Texte. Beim US-Startup Narrative Science gießen Maschinen schwer verdauliche Zahlenkolonnen vollautomatisch in Fließtexte. Vorerst nur bei Datenintensiven Themen. Wie den irrelevanten Punktspielen des sportlichen Nachwuchses. In den vergessenen Weiten Nordamerikas. Für weltläufige Journalisten? Uninteressant.

Journ_1: Winning the battle on the boards was crucial for Wisconsin as it grabbed 30 rebounds to 24 for the cornhuskers. With the win, the badgers extend their winning streak to six games.

Im letzten Jahr wurden bereits 400.000 Kurzmeldungen von extrem regionaler und nur kurz anhaltender Relevanz im Netz verhökert. Gelernte Journalisten pflegen ständig neue Wortbausteine in die Datenbank und schaufeln so ihre eigenes Grab: Auch in Wirtschaftressorts erledigen Maschinen mittlerweile Jobs für Hirntote. Aus drögen Statistiken formen sie lesbare Interpretationen.

Journ_2 Revenue has grown by double digits year over year for the last four quarters. Over that span, the company has averaged growth of 25 percent.

Astreines English. ABER: Die von Edelfedern oft belächelte Kaste der Finanzjournalisten hat sich von solchem Verlautbahrungsjournalismus emanzipiert. Wurden kryptische Wirtschaftsteile früher vom Zeitungsleser mit spitzer Hand aussortiert, sind sie heute lesbar. Gut. In Zeiten der Finanzkrise.

Computergenerierter Journalismus sorgt für eine starke Defensivhaltung der Zunft. Dabei ist Ersetzbarkeit für das schreibende Prekariat längst Realität. Jetzt kommt noch Konkurrenz vom Rechner dazu. Na und? Maschinen können keine Gefühle beschreiben. Sie sind weder zur Ironie noch zu langwierigen Recherchen fähig. Könnten sich Journalisten einreden. Auch beim Netzreporter. Und ebenfalls den Kopf in den Sand stecken. Doch in 15 Jahren sollen die meisten Texte von Maschinen stammen. Meint Anbieter Narrative Science. Irgendwann wird ihr Programm den Pulitzerpreis erhalten. Hoffen sie. – Hinweis: Dieser Text wurde NICHT maschinell erstellt.

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