Die Autorin Miriam Meckel, der Blogger Sascha Lobo, der Journalist Konrad Lischka von Spiegel Online und der Programmierer Torben Brodt diskutieren am Samstag (05.11.) ab 11:05 Uhr über die Wirklichkeit der Algorithmen.

Der Blogger Sascha Lobo mit rotem Iro und die Autorin und Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel. 

Sascha Lobo (l.) und Miriam Meckel sind neben Konrad Lischka und Torben Brodt Gäste im Online-Talk. (picture alliance | dpa | Robert B. Fishman | Markus C. Hurek)

Am vergangenen Samstag (29.10.2011) hat der Netzreporter Markus Heidmeier im Online-Talk über die Zukunft der Überwachung diskutiert. Eine Woche später geht es im Online-Talk um die kulturelle Ebene dieses Phänomens: Die Macht der Maschinen.

Der Algorithmus bestimmt unsere Wahl

Amazon, Facebook, Last.fm und Google: Sie alle arbeiten mit Algorithmen. So manch ein Online-Kunde zeigt sich schnell überfordert ob der Büchermassen, die sich ihm in einem üblichen Buchladen bieten, wenn er so einen überhaupt betritt. Bücher sortiert nicht nach Inhalt und Vorlieben, nicht nach Empfehlungen von Freunden oder anderen Kunden, sondern nach Genre oder Autoren. Die Entscheidungshilfe steht daneben, in Form einer einzelnen Buchhändlerin, die mehrere Kunden gleichzeitig bedient.

Das was andere mögen, wollen wir auch

Wir sind vorgefilterte Informationsvermittlung gewohnt, ob bewusst oder unbewusst. So kaufen wir Romane, die uns Amazon empfiehlt, klicken uns durch Listen, gekauft von Kunden, die ebenfalls unsere Lieblings-CD gekauft haben. Wir hören Bands, die laut Algorithmus zu uns passen.

Wir befreunden uns in sozialen Netzwerken mit Menschen, mit denen unsere “Freunde” bereits befreundet sind. Wir sortieren für uns selbst relevante Nachrichten über Twitter, folgen denen, die uns folgen und klicken uns so von Information zu Information.

Nur der Filter kann die Datenmenge begrenzen

Im Zeitalter des Informationsüberflusses erscheint die Vorsortierung von Nachrichten und anderer Suchergebnisse durch Algorithmen hilfreich. Die riesige Masse an Daten, die eine Suchmaschine zu einem bestimmten Stichwort zu bieten hat, muss irgendwie geordnet werden.

Fragen über Fragen

Doch wie entwickelt sich der Mensch inmitten einer solchen Blase aus vorgefilterter Information? Wie generieren wir einen eigenen Geschmack und wie ist es möglich, reflektiert Denken zu lernen, wenn Informationen aus Quellen, die nicht zu den von uns favorisierten Informationsquellen passen, schon aussortiert werden, bevor der Denkprozess überhaupt eingesetzt hat?

Was bedeutet “individuell” im Zeitalter der Algorithmisierung der Geschmäcker und wie steuern Konzerne wie Amazon und Last.fm die  Weltwahrnehmung? Sind Algorithmen eine hilfreiche Unterstützung bei der Verfeinerung des eigenen Geschmacks oder minimieren sie die Chance, neues kennenzulernen?

Es diskutieren:

Timeline

03:00 Computerferngesteuerte Menschen – dystopisches Szenario oder Realität?

04:00 Nachdenken über die Zukunft als unsere Pflicht in Zeiten der Digitalisierung

09:00 ,Die ganze Welt ist meiner Meinung‘

10:00 Das Problem ist nicht der Algorithmus, sondern die menschliche Wahrnehmung

12:00 Problem: Algorithmen versuchen, soziale Mechanismen nachzuahmen

15:00 verschobene Wahrnehmung als medienimmanentes Problem

16:00 Forderung Lobo: Schulfach ,Online-Erziehung‘

19:00 Welche Chancen bieten Algorithmen?

19:30: Positiv-Beispiel: Automatische Übersetzungen

22:30: ,Mainstreamisierung‘

23:30: klassische Medien vs. Algorithmen

24:30 ,Mainstream der Minderheiten‘

25:30 ,Herrschaft der Algorithmen‘ bedeutet nicht ,Abschaffung des Zufalls‘

28:30 Der Mensch trifft die Entscheidung zu filtern, nicht der Algorithmus selbst

29:30: Der Algorithmus als Brotmesser, Ambivalenz der Technik

32:30: Jedes Medium wirkt unbewusst zurück auf die Nutzung und die Weltwahrnehmung

33:30 ,neutrale Instanz‘ = Trugschluss

36:00 Die Lebensplattform Internet kommt aus den USA. Ist da eine bestimmte Ideologie in Produkte eingewoben?

38:30 Brauchen wir eine soziale Gegenbewegung?

40:00 ,Der Nutzer‘ als ,das Produkt‘ ?!?

42:00 Aufklärung und Einbeziehung statt Verweigerung, um Bewusstsein zu erreichen

43:30 Blick in die Zukunft: Wir alle als körperlose Gehirne auf Servern liegend?

46:00 Das Internet als Quasi-Religion?

48:00 Wo versteckt sich die Gefahr? In der Technologie oder den dahinterstehenden wirtschaftlichen Interessen?

53:00 Mensch-Maschine: Was wollen wir abgeben, was weiterhin selbst erledigen?

 

Crosspost von DRadio Wissen.