Warum ein Blick in Europas Blogs in Zeiten der Krise wichtig ist. Crosspost von DRadioWissen.
 

Die Debatte nimmt täglich an Fahrt auf. Ratingagenturen werten den Bonitätsstatus von Ländern und Banken ab, europäische Regierungen diskutieren über Lösungsmodelle und in diversen EU-Ländern nutzen Parteien die Auseinandersetzung zur Profilierung.

Wie ein 10-Euro-Schein in einer Erdspalte verschwindet.

Der Streit wird lauter. Europaweit. Auch in den konventionellen Medien haben sich längst ideologische Lager gebildet. Deshalb lohnt der Blick in die europäischen Blogs mehr denn je. Das zumindest meint Lars Mensel, leitender Redakteur  des Debattenportals TheEuropean in seinem Gastkommentar.

Dieser Kommentar bildet den Auftakt einer Kooperation zwischen DRadio Wissen und TheEuropean. Das Skript gibt es wie immer unten.

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Foto: flickr.com | alltagskunst CC BY-NC-SA 2.0

Skript:

Das Netz ist ein spannender Indikator für die europäische Stimmung in Zeiten der Eurokrise. Wo sonst kann jedermann derart schnell Stellung zu aktuellen Ereignisse beziehen, bzw. als Leser den länderübergreifenden Blick wagen? Während beispielsweise die Berliner FDP am Sonntagabend noch ihre Niederlage in den Wahlen zum Abgeordnetenhaus verdaute, stimmten griechische Blogger bereits einen hämischen Abgesang auf die Partei an. Hatten die Liberalen doch versucht im Wahlkampf mit einer harten Linie gegen ihr Land auf Stimmenfang zu gehen.

So sehr sich in Angesicht von Milliardenschweren Hilfszahlungen eine euroskeptische Stimmung zu verhärten scheint, so sehr steht ihr eine unglaublich transparentere Debatte über die Krise im Netz gegenüber.
Denn ausgerecht die von Philipp Rösler lamentierten “Denkverbote” spielen dabei keine Rolle. Niederländische Autoren schreiben dabei offenherzig über den Staatsbankrott des Landes in einer “Quarantäne”. In Spanien dagegen weiß man um die Probleme im eigenen Land und geht als potenzieller Empfänger von Hilfsleistungen sehr kritisch mit dem Schlingerkurs europäischer Politiker in der Krise um. “Griechenland rast in Richtung Staatsbankrott”, resumiert ein spanischer Autor nüchtern.

Interessant ist dabei vor allem, wie pragmatisch diese Kommentare im Netz sind, und wie wenig sie dabei die europäische Integration an sich verneinen. Denn wer nun einen geregelten Staatsbankrott diskutiert, beerdigt damit nicht gleich die europäische Idee, sondern versucht sie durch eine Kurskorrektur zu retten. In Ländern wie Spanien, Irland und Portugal mag das Eigeninteresse der Autoren in diese Meinungen hineinspielen, doch fordern Stimmen im Netz zwar ein Ende der uneingeschränkten Hilfszahlungen‚ gleichzeitig allerdings auch entschiedenes Handeln zur Rettung der Gemeinschaftswährung.

Für einen Blick über den Tellerrand der normalen Medien sind Blogs daher unabdingbar – denn sie stehen nicht nur für starke Meinungen, sondern ermöglichen durch ihre Verknüpfungen mit zahllosen Quellen auch eine Meinungsbildung abseits vom nachrichtlichen Dauerfeuer. Dass man sich dort zwischen allen Krisenmeldungen aus purem Pragmatismus zu Europa bekennt, ist zudem erfrischend ehrlich.