Und hier das Skript und das Crosspost des Netzkommentars von Christiane Schulzki-Haddouti.

Crosspost (zuerst erschienen auf www.dradiowissen.de.

Wie der Suchmaschinengigant seine zahlreiche Funktionen bei Google Plus zu einem mächtigen Instrument vereint.

Über eine Woche ist das neue Netzwerk des Internetriesen Google bereits zugänglich. Dennoch bleibt die Euphorie in der Netzszene ungebrochen. Auch Konkurrent Facebook sah sich genötigt schnell zu reagieren und stellte in dieser Woche seinen neuen Videochat vor, der In Kooperation mit Kommunikationsdienst Skype realisiert wird. Anfangs betrachteten zahlreiche Experten das neue Googlenetzwerk als Facebook-Klon, der über einige weitergehende Features verfügt. Mittlerweile allerdings wird klar, dass Google ein mächtiges Instrument entwickelt hat, das etliche Googlediensteintegriert. Damit dürfte Googles Position auf Dauer gestärkt werden. Das jedenfalls meint Christiane Schulzki-Haddouti in ihrem Netzkommentar.

Skript:

Google bündelt seine Kräfte

Google wurde immer nachgesagt, es könne mit Algorithmen gut umgehen. Der Umgang mit menschlicher Kommunikation gelinge anderen aber besser. Beispiel Facebook. Google+ ist nun für Google mehr als nur ein Experiment, menschliche Kommunikation zu ermöglichen.
Google Buzz zum Beispiel erhielt nie so großen Zulauf wie Twitter – kann aber dasselbe: den Nachrichtenströmen anderer Menschen folgen. Buzz ist nun Bestandteil von Google+ – außerdem können Nutzer bestimmten Themenkreisen folgen. Google hat damit einen sozial bewerteten Nachrichtendienst entwickelt, in dem Nutzer verschiedene Themenstränge bewerten und kommentieren können.
Google bündelt außerdem Dienste, die bislang wenig Zuspruch hatten, zu einem sinnvollen Informationsfluss: Android-Nutzer können mit ihrem Handy Bilder aufnehmen und in Google+ veröffentlichen. Die Bilder werden automatisch in Picasa-Bilderalben abgelegt. Drei zuvor getrennte Dienste werden damit sinnvoll miteinander verbunden. Mit dem Nachrichtenaustausch über das mobile Google+ bietet Google zudem eine alternative SMS-Funktion, mit der Nutzer nicht nur einen, sondern viele Kontakte auf einmal erreichen können. Für die Koordinierung und Mobilisierung von Gruppen ist das ein mächtiges Werkzeug.
Google führte außerdem einen „+1“-Button ein, mit dem Nutzer Nachrichten bewerten können. Mittelfristig wird dieser Button auch zur Bewertung von Suchergebnissen in Googles Suchmaschine herangezogen werden. Die Algorithmen der Suchmaschine können damit auch auf persönliche Empfehlungen zurückgreifen.
Aber auch den Telefoniemarkt mischt Google weiter auf: Seit bietet Google Jahren bereits eine Videochat-Funktion über seinen E-Mail-Dienst an. Jetzt können über Google + bis zu zehn Nutzern  gleichzeitig Videochats führen – für Unternehmen und Organisationen ist das im Moment die günstigste Art Telefonkonferenzen abzuhalten. Dabei greift Google anders als Facebook auf die eigene Technik zurück. Facebook musste erst eine Kooperation mit Skype eingehen, um ähnliches anbieten zu können.
Google hat noch einiges mehr in petto, mit dem es seine Dienste verbessern kann. Hunderte von Entwicklern setzte Google-Chef Larry Page auf das Projekt an. Zahlreiche, bislang nur am Rande genutzte Dienste werden jetzt gebündelt, um neue Schlagkraft im sozialen Netz zu gewinnen. Andere Dienste dürften sich schwer tun, etwas Ähnliches in absehbarer Zeit auf die Beine zu stellen. Google ist jedenfalls im sozialen Web angekommen – und für den Wettbewerb mit Facebook, Twitter, Skype und anderen Playern bestens gerüstet.