Der Hackerhype im Netz und seine politische Bedeutung. Ein Netzkommentar von Christiane Schulzki-Haddouti. Hier der Crosspost von DradioWissen.

Ein "Hack" ist eine kreative Lösung für ein Problem - Manche Sachen funktionieren aber auch einfach. (B_Zedan | flickr | cc by-nc-sa 2.0)

Ein "Hack" ist eine kreative Lösung für ein Problem - Manche Sachen funktionieren aber auch einfach. (B_Zedan | flickr | cc by-nc-sa 2.0)

Der Cyberwar ist omnipräsent. Der Hacker Staatsfeind Nummer 1. Diesen Eindruck gewinnt, wer die Reaktionen auf die Eröffnung des deutschen Cyberabwehrzentrums in dieser Woche registriert. Doch scheint es neben einer großen Begriffsunschärfe, um was es sich bei einem Hacker genau handelt – ein privater Tüftler, der Technologie neu interpretiert und durch sogenanntes Re-Engeneering weiterentwickelt oder Handlanger der organisierten Verbrechens, für das er im Netz als Krimineller Daten stiehlt oder gar ein Cyberterrorist, der staatliche Infrastrukturen lahm legen will? – auch eine bewusste Verwechselung von Spaßguerilla und Staatsguerilla im Netz zu geben. Das jedenfalls meint Christiane Schulzki-Haddouti in ihrem Netzkommentar.

Das Skript gibt’s unten.

Es ist eine Art Spaßguerilla, die zurzeit im Internet ihr Unwesen treibt. Lulz Security nennt sie sich. Lulz ist eine Verballhornung von LOL, dem Internet-Akronym für „laut lachen“. Ihr Maskottchen: Eine Grinsekatze auf einem Regenbogen. Ihre Opfer: Die CIA, der amerikanische Senat, diverse amerikanische Fernsehsender und der japanische Unterhaltungskonzern Sony.
Lulz Security ist wahrscheinlich nicht die Art von Gegner, die Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich vor Augen hatte, als er gestern das Cyber-Abwehrzentrum im idyllischen Bonner Vorort Mehlem einweihte. Vier bis fünf ernst zu nehmende Angriffe verzeichnen die Experten dort täglich. Ernst zu nehmen heißt: Es handelt sich um gezielte Angriffe. Möglicherweise von Staaten, die mehr Interna erfahren möchten.
Ein gezieltes Vorgehen erkennt auch der Internationale Währungsfonds, der in den letzten Monaten wiederholt angegriffen wurde – und vermutet das gezielte Vorgehen eines Staates, der interne Planungsdaten über diverse Länder ausspionieren will. Und auch hinter dem Virus, der iranische Atomanlagen sabotieren sollte, soll staatliches Engagement stehen. Die BBC vermutete hier Hacker im Auftrag Israels und den USA.
Lulz Security hingegen will vor allem „Spaß und Gerechtigkeit“. Das sagte jedenfalls ein Mitglied in einem der seltenen Interviews der Gruppe. Was darunter zu verstehen ist, erschließt sich aus den Aktionen der Gruppe: Im Moment geht es beispielsweise gegen die US-Notenbank: Deren Chef soll zurücktreten, da er sich während der globalen Finankrise ungeschickt verhalten haben soll. Der Fernsehsender PBS wurde angegriffen, weil der die Whistleblower-Plattform Wikileaks kritisch portraitiert hatte. Und der US-Senat wurde angegriffen, weil er zurzeit härtere Maßnahmen gegen Internetkriminalität debattiert.
Während die Hacker von Lulz Security bereits nach geltendem Recht harte Strafen erwartet, falls sie erwischt werden sollten, werden staatliche Hacker mit größter Wahrscheinlichkeit ungestraft davon kommen. Denn zwischenstaatliche Kontrollen gibt es bislang nicht. Hier sind es die USA, die sich gegen ein entsprechendes Abkommen wehren, das Russland schon vor Jahren anbahnen wollte. Hier verstehen die Amerikaner nämlich keinen Spaß.