In unserem wöchentlichen Netzkommentar auf DRadio Wissen kommt in dieser Woche Kai Biermann, Leiter Ressort Digitales, ZEIT ONLINE, zu Wort. Sein Thema: Der G8-Gipfel, das Internet und Sarkozys Erobererphanatsien.

Der französische Staatschef liebt große Gesten und starke Worte. In dieser Woche hatte er sich das Internet als neues Thema vorgenommen und zum sogenannten eG8-Forum geladen. In Vorbereitung des Treffens der wichtigsten Staatsoberhäupter der Welt in Deauville am heutigen Freitag sollten Experten über Chancen und Risiken des Internets diskutieren. Sarkozys Position war dabei schnell klar geworden, hatte er doch eine eindeutige Parole ausgegeben. Das Internet ist aus seiner Sicht kein Lebensraum, sondern Ort der Wildnis, die es zu zivilisieren gilt. Ein gefährlicher Ansatz, meint Kai Biermann, Leiter Ressort Digitales, ZEIT ONLINE in seinem Netzkommentar.

Hier schon mal das Manuskript. Das Audio folgt nach Ausstrahlung.

Es ist ein gutes Zeichen, dass die G8-Staaten und damit die Führer der mächtigsten Industrienationen der Welt das Internet zur Kenntnis nahmen und auf ihrem jährlichen Treffen auch einmal über das Netz redeten. Lange genug hat es gedauert.

Nicht so gut ist, wer dort auftrat. Die Teilnehmer der Podien lassen sich in zwei Gruppen sortieren. Gruppe eins: Facebook, Google, Amazon, Ebay, Microsoft, Qualmcomm, Vivendi, HTC, Blackstone, Orange Telecom, Alcatel-Lucent, Groupon, Murdoch.

Gruppe zwei: Wikipedia, Lawrence Lessig.

Die Führer der G8 hatten sich die Firmen geladen, die Milliarden mit dem Netz verdienen. Nutzer spielten keine Rolle.

Das Muster ist kein Zufall. Hatte Nicolas Sarkozy, der Initiator des Treffens, doch zuvor verkündet, es gehe darum, das Internet zu zivilisieren. Denn es sei ein neues Grenzgebiet, ein Territorium, das es zu erobern gelte.

Sarkozy also will in den Wilden Westen vordringen. Er will ihn sich mit stählernen Rössern Untertan machen und ihn anschließend mit der Bibel befrieden. So zumindest klingen die Sätze des französischen Staatschefs.

Wie einst der Wilde Westen ist auch das Internet allerdings nicht so wild und unbewohnt, wie Sarkozy damit suggeriert. Die Stimmen derjenigen aber, die dort längst wohnen, wurden auf dem eG8-Forum in Paris nicht gehört. Auch ihre Themen spielten keine Rolle, um Netzneutralität beispielsweise ging es nicht.

Es steht zu befürchten, dass die Nutzer enden wie einst die Ureinwohner Amerikas – recht- und machtlos. Sie sollten schnell ihre Stimme erheben.

Foto: Kirill Reinhardt, Flickr unter CC. Danke!