Die Sicherheit des eigenen Portals scheint die Facebook-Macher nicht besonders zu interessieren.

Der Netzkommentar @NETZ.REPORTER auf DRadio Wissen. Gastautor in dieser Woche: Don Dahlmann, leitender Redakteur des Gadget-Blogs Neuerdings.com.

Spam und Trojaner sind mittlerweile feste Bestandteile der Onlinewelt. Wer sein Betriebssystem und seine Antivirensoftware nicht regelmäßig auf den neuesten Stand bringt, fängt sich schnell einige Codeschnipsel Schadsoftware ein. Die Integrität persönlicher Passwörter ist dann oft in Gefahr. Aber das grassierende Problem der wildernden Viren und Trojaner ist längst nicht mehr auf die individuelle Rechnersoftware beschränkt, auch soziale Netzwerke sind seit einiger Zeit im Visier der Übeltäter. Auf der größten aller Plattformen, Facebook, machen seit Wochen dubiose Angebote in harmloser Tarnung die Runde. Wer sich verleiten lässt und einen der Links anklickt, sollte umgehend Passwörter und Sicherheitseinstellungen überprüfen. Aber die sogenannten Social-Scam-Angriffe haben auch etwas Gutes. Das jedenfalls glaubt Don Dahlmann, leitender Redakteur des Gadget-Blogs Neuerdings.com. In seinem Netzkommentar äußert er die Hoffnung, dass Plattform-Betreiber und User endlich sorgfältiger mit ihren Daten umgehen.

Hier das Manuskript.

Wer in den letzten Wochen auf Facebook unterwegs war, dem dürften die vielen Meldungen aufgefallen sein, die ungefähr so lautet “See who visited your profile”. Das klingt spannend, dummerweise kann man auf Facebook bekanntermaßen nicht sehen, wer das eigene Profil besucht hat. Das wissen die meisten aber nicht, also klicken sie brav auf einen Link, der nichts anderes ist, als “Social-Scam”.
Man kennt Mail-Viren oder Trojaner, die man sich auf Webseiten einfangen. Social-Scam ist eine neue Variante, mit der nicht freundlich gesinnte Menschen versuchen, die Daten von anderen Menschen zu bekommen. Dabei ist Facebook nicht einmal die einzige Plattform auf so etwas passiert, aber es ist halt die Bekannteste. Tatsächlich sollen beim letzten Angriff rund 1.5 Millionen Menschen auf einen verseuchten Link geklickt haben, so ein IT Security Portal. Und die Sache mit den Besuchern ist nicht die einzige Falle, die auf die User wartet. Es gibt “lustige Videos” oder “schockierende Bilder”, alles Dinge, die am Ende nur dazu führen, dass der User kompromittiert werden kann.
Bisher ist es noch nicht völlig klar, was hinter den Social-Scam Angriffen auf Facebook steckt und welchen Schaden sie anrichten können. Sicher ist, dass sich die unbekannten Hacker durch den Link Zugang auf das Profil, die Nachrichten und das Chatsystem bekommen. Das Passwort ist gefährdet, aber mehr passiert im Moment wohl nicht. Vermutlich hat da jemand ausprobiert, was man so alles machen.
Die Sache könnte für die Betroffenen aber dann unangenehm werden, denn viele gehen mit ihren persönlichen Daten bekanntermaßen etwas unbedarft um. Für einen Betrüger reicht es, wenn er Mailadresse, Anschrift und Geburtsdatum bekommt, um einen klassischen Identitätsdiebstahl zu begehen.
Und so hat das Ärgernis mit dem Spam, den Viren und anderen Dingen auf Facebook auch etwas Gutes. Die Mitglieder machen sich vielleicht endlich mal ein paar Gedanken über Daten, die sie ins Netz stellen und vor allem auch darüber, was mit ihnen passiert, wenn sie verloren gehen. Die Zeit, in der man unbedarft jeder Webseite vertraute und beliebig viele Daten zur Verfügung stellte, sollten jedenfalls vorbei sein.  Für Facebook bedeutet das auch, dass man die Sicherheitssysteme verstärken muss – aber zu dem Thema hört man vom US-Unternehmen nur selten etwas. Offenbar muss hat man da noch starken Nachholbedarf.

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